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Einmal Wien und zurück, bitte


09.12. - 11.12.2017 - Koordinaten: 48° 12' 37.987" N 16° 22' 35.382" E

 

Schnitzel, ein nicht allzu verständliches Deutsch, Krapfen und Kipferl und viele Kutschen.

So in etwa stelle ich mir Wien vor, wenn ich daran denke. Nicht ganz so war es dann.

06:00 Uhr

Mein Wecker klingelte furchterregend, ich schreckte hoch. Es ist ein Samstag Morgen und irgendwie habe ich ein mulmiges Gefühl im Magen, möchte am liebsten die Reise abblasen. Denn: ich reise alleine. Nichts selbstverständliches für einen ungebändigten Teenager, wie ich es bin. Drei Tage alleine in einer fremden Stadt, erschien mir bis vor kurzem noch

"Was solls. Wird schon schief gehen."

Und ich fuhr los, Richtung Zürich. Von da an in einem Zug à la Hogwars Express Style, nach Innsbruck AU. Dort angekommen stieg ich in den nächsten Zug, mit Endstation Wien um. Ein Viererabteil. Alleine. Der Wagen war praktisch leer gefegt. Klar, kein Mensch reist gesamthaft 10 Stunden an einen Ort, bloss um sich einen Tag in der Stadt zu verweilen.

16:25 Uhr

Ich traf mit lautem Gequitsche in der Hauptstadt Österreichs ein. Während die restlichen Zugmitfahrer eiligst ihre Koffer Richtung Lift schoben, wartete ich einen Moment, bis die Hektik vorbei war und begab mich einen Stocke, wo ich einen Billetautomat vermutete. Und so war es, das lösen eines Tickets nach "Wien Mitte" ergab sich als weitaus schwieriger als vermutet. An dieser Stelle danke ich dem freundlichen jungen Mann von der ÖBB, der mir nicht nur zeigte, wie ich ein Billet löse, sondern mir hinterherlief, weil ich den gekauften Zettel im Automaten liegen liess! Wuhe - good start!

17:00 Uhr

Ich fuhr also nach einigen Komplikationen zur Wien Mitte - die Mitte von Wien, Wien Central. Logisch. Es dunkelte bereits ein. Ich machte Halt in einem altbekannten Starbucks und beobachtete die vorbeilaufenden Wiener.

Ich musste warten. Mein Gastgeber, bei welchem ich dank der Plattform Airbnb ein Bett fand, ist noch nicht zu Hause. Nach einer Stunde breche ich schliesslich auf, das Ziel liegt etwas ausserhalb vom Zentrum.

18:30 Uhr

Die Gassen wurden kleiner. Es fuhren weniger Autos umher und weniger Personen füllten den Gehweg. Umso weiter ich mich vom Zentrum entfernte, umso unwohler fühlte ich mich. Ganz unbewusst, obwohl ich versuchte es zu verdrengen. Ich setzte meine Kopfhörer auf und beeilte mich.

Airbnb.

Das wollte ich schon immer mal ausprobieren.

Um kurz nach sieben stand ich vor dem besagten grossen Block und klingelte. *Surrrr* Die Tür öffnete sich und kurz darauf schüttelte ein junger Mann meine Hand, führte mich durch die Wohnung (die übrigens seiner Mutter gehört) und war später auch schon verschwunden. 

Gemütlich - fand ich - und verbrachte den ersten Abend mit "Netflix and chill" auf dem Bett.

Sonntag

Der Wecker riess mich erneut aus dem Schlaf. Shit - wo bin ich? Dann die Erkenntnis: bei diesem Airbnb-Typ in Wien. Also auf geht's.

Ich packe meine Tasche und suche mir mit dem Stadtplan den schnellsten Weg ins Zentrum heraus. Knapp 45 Minuten später stehe ich vor dem Wiener Dom und fotografiere - wie hundert andere Touristen - die Kirchspitze. Diverse Nationen, aber kaum Wiener, tummeln sich auf dem grossen Platz. Es herrscht reges treiben, obwohl meine Finger bereits Eiszapfen ähneln und der Weihnachtsmarkt noch nicht geöffnet ist.

Ich spaziere durch die Gassen.

Ein klick hier. Ein Foto dort.

Oh, eine Statue von Lessing.

Nach einem Punsch, und einer warmen Suppe später, gerate ich zufälligerweise ins Museumsquartier.

Dort ein Museum. Hier eines. Da drüben. Für die Museen-Herzen ein wahres Paradies.

Was mich betrifft - ich blieb in einer Bücherausstellung stecken und vergnügte mich mit Bücher österreichischer Verlage und diversen Kunst-Cartoons. So ging der Sonntag schleichend kalt aber angenehm zu Ende.

Montag

Der Zug zurück nach Zürich fuhr um halb zehn. Ich war um halb neun schon dort. Kaufte mir einen grossen Cappuccino und ein Kipferl. Dann harrte ich 9 Stunden am Stück auf dem Zug-Sessel aus. Im Gegensatz zur Hin-Fahrt war der Waggon gefüllt bis zum letzten Platz. Neben mir eine Dame, die ebenfalls die neun Stunden durchsitzen würde. Ich spürte den Plattarsch jetzt schon, meine Beine ganz schlaf, von der Blutzufuhr abgegrenzt. Obwohl ich Zugfahrten liebe, war es doch etwas zuviel des Guten. Besonders ohne freundliche Ablenkung, bloss ein Handy, dass all paar Minuten mit der WLAN Verbindung versagte.

Alles in Allem

Wien ist schön. Tatsächlich eine Stadt mit Charme. Der Kaffee, auf den die Wiener schwören, ist ganz gut. Bloss die Italiener scheinen einen Punkt mehr zu ergattern. Die diversen Markstände waren hübsch hergerichtet, die Wiener haben Klasse. Aber umgehauen hat es mich nicht. Vielleicht lässt sich das auch bloss auf meine eingefrorenen Hände zurückführen. Oder dass ich alleine unterwegs war. Oder die Tatsache, dass ich in Wien fast keine Wiener sah, sondern bloss die verwirrten Gesichter anderer Touristen. Aber was erwarte ich denn von einer Hauptstadt?

Nichtsdestotrotz gab es schöne Bauten anzuschauen und auch das Museumsquartiert wäre einen weiteren Besuch wert. Nur Schade, gibt es zu viele Orte auf der Welt, als dass ich einen Ort zweimal besuchen kann...

Auch meine erste Couchsurfing-Erfahrung stellte sich als sehr positiv heraus. An meinen Sozialkompetenzen lässt sich aber mit Sicherheit noch arbeiten.

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