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Tattoos und wieso ich mich verunstalte


Ich liebe Tattoos. Das sei vorangestellt. Und ich habe selbst bereits zwei, aber dazu später mehr.

 

Tattoos sind ein gesellschaftlicher Trend. Manchmal werden sie geliebt. Manchmal werden sie kopfschüttelnd betrachtet. Aber Tattoos gibt es weitaus länger als seit den rebellischen 80ern. Tätowierungen gelten nicht ganz ohne als erste Körperkunst der Menschengeschichte. Erste  Hinweise darauf gibt es auf Höhlenmalereien, die Menschen mit Tätowierungen zeigen. Genug der Geschichte, die wir uns alle im Geschichtsunterricht anhören können.

 

Mein Feed auf Instagram besteht manchmal überwiegend aus diesen Fotos mit feinen Linien auf den Unterarmen und Schlüsselbeinen anderer Menschen. Detailgetreu und im minimalistischen Stil. Diese grossen farbigen 3D Klötze mag ich weniger, sie sind zu übertrieben. Zu grob und zu klobig.  Ich plädiere für das feine und nicht auffallende. Was nicht bedeutet, dass das jeder haben sollte, aber es sieht dann doch etwas besser aus. Und der Vorteil: auch wenn man bereits den Körper überseht hat mit diversen Tattoos, ohne Farbe und ohne Tiefe sieht alles weitaus simpler und nicht allzuarg gefüllt aus.

Warum tue ich mir das an?

Aber kommen wir zum Schmerz, den meine Mutter nicht ganz versteht. Weshalb tut sich ein Mensch diese Schmerzen an, mit Absicht, für ein Bild, meinetwegen ein Kunstwerk auf dem eigenen Körper. Man könnte es doch zeichnen und an die Wand hängen. Das ist weitaus schmerzfrei, günstiger und wenns einem nicht mehr gefällt, hängt man es ganz einfach ab. Mag sein.

Aber versteh doch, es ist nicht das gleiche. Mein Körper ist mein Körper und ich schmücke ihn so wie ich es will. Ob mit Federn, Hut oder dauerhaften farbigen Klecksen.

Aber keine Angst, ein Klecks ist es nicht, da auf meinem Unterarm. Sondern ein Kompass.

Nun, das Blaue etwas, dass den Kompass umspielt wirkt vielleicht (oder ist auch) ein Klecks, aber es ist ein schöner Klecks und es ist offiziell mein Klecks, schliesslich wurde er in meine Haut gebohrt. Apropos: schmerzen hatte ich da keine am Unterarm. Und das ganze ging bloss eine Stunde.

Bedeutet es denn etwas?

Klar. Denn meiner Meinung nach sollte jedes Tattoo irgendeine Bedeutung haben. Die Reue fürs Stechen tritt ansonsten viel eher ein. Eine Bedeutung oder ein schöner Gedanke an die Zeit damals lässt sich nicht so schnell abwimmeln. Was meinen Kompass betrifft, so ist er für mich besonders ein Zeichen fürs Vorwärtsgehen. In welche Richtung ist mir gleich, ich möchte mich bewegen und nicht stehen bleiben. Die Bedeutung entstand vor allem in Bezug auf das Jahr 2016, was in meinem Leben gewisse Spuren hinterliess. Negative, wie auch Positive. Zusätzlich steht ein Kompass selbstverständlich auch fürs Reisen, für das Entdecken und für die Neugierigkeit.

 

Tattoos können tatsächlich als Verunstaltung eines Körpers bezeichnet werden. Aber in jeglicher Hinsicht basiert diese Erkenntnis immer auf einer subjektiven Betrachtung. Was für den einen schön erscheint, bezeichnen andere als ekelerregend. Gleich ist es ja auch mit Picasso, Klee oder William Turner. Drei Künstler, die unterschiedlicher nicht sein könnten, ebenso auch ihre Bewunderer.

 

Es ist auch absurd jemandem eine Arbeitsstelle zu verweigern, bloss weil diese Person ein Tattoo am Arm hat, evtl. ein schwarzes Muster. Seit wann werden Menschen durch Farbe in der Haut denn schlecht? Somit drifte ich ins Thema "Oberflächlichkeit" ab, dass wir unser Gegenüber durch seine äussere Erscheinung bewerten. Natürlich präsentiert man sich auf eine Art und Weise durch sein Äusseres, aber dieses sollte sachlich und auf keinen Fall gewertet werden.

Mein Fazit

Ich "verunstalte" mich gerne. Obwohl ich diesem Wort nicht viel Beachtung schenken möchte, schliesslich ist es mein Körper, meine Haut und meine Verantwortung, was darauf zu sehen ist. In vollem Bewusstsein, dass mir ein Tattoo in 50 Jahren vielleicht nicht mehr gefällt, werde ich mich auch in Zukunft vielleicht wieder einmal unter die Nadel legen. Ausserdem: wer gibt mir die Bestätigung in 50 Jahren noch zu leben? Der Moment ist diesem Falle das entscheidendste und wenn es sich richtig anfühlt, ist es das auch.

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