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London #5 - im Hindutempel zur inneren Ruhe

6. Oktober 2018

Trotz einer langen Freitagnacht und starkem Schlafmangel in der Morgenfrühe, schälte ich mich morgens um acht Uhr aus meinem Bett, schlürfte einen möglichst starken Kaffee beinahe schwarz und machte mich auf Richtung EF Schule im Zentrum Londons, Nähe Waterloo. Die Sprachschule EF Education First organisiert regelmässig neue Aktivitäten, welche zum einen kostenlos oder gegen einen geringen Beitrag von allen Studenten besucht werden können. Heute führte uns der Weg in den Westen Londons zum Hindutempel BAPS Shri Swaminarayan Mandir, umgangssprachlich auch Neasdon-Tempel genannt. 

Mit der Jubilee Linie ab Southwark fuhren wir als kleine Schülergruppe nach Neasdon und liefen schliesslich ein gutes Stück vorbei an Autostrassen und einem grossen IKEA, bis vor uns der kleine Hindutempel auftauchte. Obwohl das Gebäude auf Internetbildern um einiges grösser daherkommt, ist es doch ein erstaunliches Gebäude, welches sich aus dem Wohngebiet heraushebt. Gegenüber des Mandir steht eine Indische Schule, was darauf schliesst, dass in diesem Gebiet Londons zahlreiche Menschen indischen Ursprungs bzw. Glaubens sesshaft sind. 

Nachdem wir uns der Sicherheitskontrolle unterzogen hatten, Kamera und Taschen abgegeben hatten und unsere Schuhe ausgezogen hatten, versammelten wir uns allesamt in Mäntel und Socken im Eingangsbereich des Tempels. Nachdem wir von einer Mitarbeiterin des sogenannten "Mandirs" eine kleine Einführung in den Hinduismus erhalten hatten, durften wir im Anschluss an einer 8 Minütigen Zeremonie teilnehmen und somit einen weiteren Einblick in die Kultur erhalten. Die Zeremonie war anders als erwartet. Männer sassen vorne, Frauen hinten. "Remaine Silence", hatten sie uns im vornherein gebeten. Gespannt blickte ich in dem weissen Saal umher. Die Decke war rund, mehrere weisse Sandstein Säulen standen verteilt im Raum, verziert mit schönsten Blumen und Ornamenten. Mit lautem Erklingen von Musik öffneten sich im vorderen Teil des Saals drei Tore und gaben somit den Blick auf drei verschiedene Figuren des Hinduismus frei. Inder im Publikum sangen mit und klatschten, ich rührte mich kaum. Die Musik endete und ein zweiter Singsang erklang. Am Ende begaben sich alle Herren zu den Statuen, im Anschluss die Frauen. 

Das Ganze verlief kurz und grundsätzlich unspektakulär, trotzdem war ich gerührt von der Art, wie die Menschen scheinbar ihr ganzes Leben dem Glauben hingaben. Alte Frauen blieben Minutenlang vor diversen Figuren (deren Name und Bedeutung ich nicht kenne) stehen, beteten, falteten ihre Hände und knieten hin. Männer und Frauen murmelten und grüssten, küssten die Wände des Tempels und berührten diese zaghaft. 

Nach der Zeremonie war ich ruhig. Obwohl die Musik das Murmeln der Gebete noch in meinen Ohren nachhallte, fühlte ich mich erleichtert und beinahe beschwingt. Ich bin keine besonders gläubige Person und ich kann mich kaum als gute Christin beschreiben, aber diese wenigen Minuten hatten vermutlich einen - zwar geringen - aber doch wahrnehmbaren Einfluss auf mein Wohlbefinden. Vielleicht liegt es daran, dass die Menschen mit solcher Leidenschaft und Zuneigung ihren Glauben lebten, oder auch nur weil ich von dem schön gestalteten Gebäude mit dem ganzen Schnick Schnack begeistert war. Das wohlige Gefühl hielt nur eine gewisse Zeit an, war aber stark genug, dass ich mich noch eine Weile daran erinnern werde. 

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