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London #3 - nach einer Woche

20.09.2018

Bald eine Woche in der Hauptstadt Englands. Die englische Insel in der Nähe des europäischen Festlandes. Während die einen bereits Herzchen auf Facebook und Instagram posten, andere sich täglich begrüssen, als ob sie sich seit Jahren nicht gesehen hätten, so geht es mir meist so dass mich niemand erkennt und ich schweigend aber offensichtlich selbstbewusst durch die Eingangstür schreite. Meine unangenehme und etwas komische Art von Introvertiertheit wird mir zum Verhängnis.

 

Jetzt sitze ich hier, bereits zum gefühlt zehnten Mal im gleichen Zug, der zum Glück nicht allzu arg einer Sardinendose ähnelt sondern Platz zum atmen lässt. Ich lausche Ed Sheeran durch meine Kopfhörer und abgesehen davon, dass ich meine Kamera auf dem Schoss liegen habe, könnte man meinen, dass ich tatsächlich zum gemeinen Volk der Londoner dazugehöre. Irgendwie cool, nicht wahr? Besonders nach nur vier Tagen in der Metropole, bin ich als kleines Puzzleteil bereits geformt worden. Nur so ganz passen will es noch nicht, dazu benötigt London vermutlich noch meine Zustimmung und mein gesamtes Wohlbefinden. Und das scheint momentan noch etwas weit entfernt, aber in geraumer Zeit wird sich hoffentlich auch diese Hürde überwinden lassen.

 

Nach einer Woche

Hier sitze ich, in der U Bahn Richtung Welhington Road, mein zu Hause für die nächsten neun Monate. Soeben habe ich Sam von EF getroffen, getrunken, gequatscht, gelacht und Pläne geschmiedet. Fast wie zu Hause, meinem richtigen 20-jährigen zu Hause, wenn ich neue Leute kennenlerne und diese zum ersten persönlich treffe. Es ist merkwürdig. Noch vor einer Woche sass ich weinend und verzweifelt vor meinem viel zu schweren Koffer in der Hoffnung eine Email von EF würde mir kurzfristig mitteilen, dass ich den Aufenthalt aus ungeklärten Gründen nicht antreten kann. Das war nicht der Fall und darüber bin ich heute auch froh, da ich bereits zahlreiche neue Leute kennenlernen durfte, da ich bereits lauthals lachen konnte, da noch so viel mehr vor mir liegt und ich dies auf keinen Fall verpassen möchte. Allmählich verstreichen meine Bedenken und ich fange an mich wohlzufühlen. An einem Ort, der mir zuvor noch beinahe fremd war, mit Leuten die ich nie zuvor gesehen hatte. Die Welt ausserhalb der Komfortzone zwingt dich an deine Grenzen und verlang einiges ab. Gelegentlich wirst du weinen, vielleicht auch fluchen weil das Y auf der Tastatur nicht am gewohnten Platz sondern mit einem Z verwechselt wird. Vielleicht wirst du dich manchmal alleine und verlassen fühlen, dich fragen wozu das ganze ist und vielleicht wirst du auch kurz davor stehen, das ganze abzublasen. Aber du wirst auch des Öfteren über deinen Schatten springen und damit unglaubliche Höhenflüge erleben, die deinen Adrenalinpegel ansteigen lassen und die dir hoffentlich noch lange in Erinnerung bleiben werden.

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