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Nee, Kunst ist das nicht

Letztens war ich im Kunsthaus Basel. Und ich möchte vorweg sagen, ich mag Kunsthäuser. Sie sind ruhig, irgendwo in der Zeit steckengeblieben. Sie wirken so behütend und beschützend und trotzdem wirken sie offen für jedermann und jedefrau.

Obwohl so einige - besonders jüngere Menschen - ihrem inneren Drang ein solches Gebäude zu betreten trotzen - ergattern die Kunsthäuser aller Schweizer Kantone wieder etwas mehr Aufmerksamkeit. Sei es durch die Konservativere Einstellung der gesamten Bevölkerung oder gar durch das Hipsterdasein diverser Jugendlicher.

Wie dem auch sei, war ich mit meinem Freund eben dort in diesem Kunsthaus, um die Zeit etwas schneller totzuschlagen. Natürlich war es auch mein eigenes Interesse, das angeregt wurde. Als erster gingen wir durch mehrere grosse, teils beleuchte, teils rabenschwarze, Räume in denen unterschiedliche Kurzfilme gezeigt wurden. Yuri Ancarani heisst der Künstler, der sich hier zeigte. Mit seinen Zusammenschnitten zeigte er au  eine authentische Art und Weise das Leben verschiedener Menschen. Manchmal stumm, manchmal mit Musik, oftmals ohne. Es ist beinahe hypnotisierend, zeitgleich laut und leise. Durch die Aufnahmen erhascht man einen künstlerischen Blick hinter die Kulissen eines Fussballspiels in Milano, eine Hochzeit in Katar, das Leben in Arabien und in einem abgelegenen haitischen Dorf und einiges mehr. Hätten wir mehr Zeit gehabt, hätte man sich vielleicht komplett hingeben können, versinken in den tiefen der Filmwelt des Italieners Ancarani.

Patrick Tomasso, Unsplash
© Patrick Tomasso, Unsplash

Schön, das nenne ich Kunst. Die Kunst etwas zu erschaffen, dass andere etwas fühlen lässt. Zwar nicht die ganz allgemeine Kunst im Sinne einer Skulptur oder eines Gemäldes. Halt eben die Filmkunst, die ebenso erwähnenswert ist in Kunsthäusern.

Des weiteren fand man in den Hallen des Basler Kunsthauses auch eine Ausstellung von Michael E. Smith geboren in Detroit, USA vor rund 40 Jahren. Seine Kunstwerke präsentieren wenig, lassen viel Platz für eigene Interpretationen und geben Überbleibseln wie Tierkadavern und getragenen Kleidern ein zweites Leben. Seine sogenannten Skulpturen sind skurril und bestimmt nicht für jeden etwas.

Uns begrüssten bereits auf der Treppe zum Ausstellungssaal zwei Sessel, schmutzig, gebraucht und gegenüber voneinander, aber in Schräglage. Weiter oben bemerkten wir erst beim Hinausgehen, dass es sich an der einen Seite ebenfalls um ein Kunstwerk handelte. Von eigenem Auge nicht erkennbar, offenbarte uns der Kunstführer, den wir zu Beginn erhalten hatten, dass es sich hierbei um Überbleibsel einer Türe handelt. Die Bedeutung? Vielleicht erkennt man durch das eine Loch den Zugang zu einer anderen Welt... Wir wissen es nicht.

In dem nun vor uns geöffneten Raum finden wir praktisch nichts. Und der Raum ist riesig. Das einzige was da hängt, sind weisse Lumpen, träge und etwas schmutzig auf einer Holzdiele. Mitten im Raum. Rechts an der Wand hängt eine Jogginhose. Eine kleine, wahrscheinlich die eines Kindes. Und in der Hose drin ist ein Ball. Mmh.

Weiter in den nächsten Raum hinein zielt ein roter Laserstrahl. Er bricht sich an einem Metallpfosten, dessen Spitze dadurch rot erleuchtet und trifft an der Wand des nächsten etwas kleineren Raumes zwei alte Samsung. Mmh. Als letztes hängt vor dem Eingang des kleinsten und letzten Raumes eine Klobürste, an dessen Ende zwei Hühnerbeine hängen. Grotesk - fährt mir durch den Kopf. Darunter hatte der Künstler wohl eine Diele herausgerissen, anfangs dachte ich, dass wäre Zufall. Der Kunstführer klärte auf, es handle sich hierbei vielleicht um ein Grab für die Skulptur. Nach dem kleinen Rundgang durch die äusserst merkwürdige Ausstellung, waren wir uns sehr unschlüssig darüber, was uns der Künstler damit mitgeben wollte.

Ist das denn Kunst?

Ich war konfus, konnte kaum zuordnen, um was es sich tatsächlich handelt. Selbst der Reiseführer mit einigen schlauen Ansätzen, brachte meine Gedanken rund um Michael E. Smiths Kunst. Sie ist absurd und irgendwie doch clever zugleich. Das einzige was die verschiedenen Skulpturen gleich haben, ist die Nicht-Zuordnungsbarkeit und die groteske und irgendwie komische Aussage, die dahinter steckt. Die sich jedoch kaum ergründen lässt. Nach einer Google Suche nach weiteren Objekten von Smith bestätigte sich meine Befürchtung, dass diese Ausstellung bei weitem die harmloseste war. Eine ausgestopfte Katze, die zur Hälfte geöffnet wurde, oder ein Ei-förmiges Ding, aus welchem Feder spriessen, deuten auf eine sehr leb bzw. tothafte Fantasie des Künstlers hin. Mag sein, dass ich nichts von der Kunst verstehe und wer Smith grandios findet, dem glaube ich dies sofort.  

Aber ist denn das Kunst? Ist das Kunst, eine Hose mit einem Ball? Leintücher auf einem Pfahl. Ein roter Laser, gezielt auf zwei Smartphones und eine Klobürste mit Beinkadavern eines Fischreihers (Kunstführer sei dank, weiss ich das).

Kunst lässt dich etwas fühlen. Kunst lässt dich nachdenken, sie lässt deiner Imagination alle Türen offen. Sie lässt dich denken, was du willst und interpretieren, was du fühlst. Kunst ist unglaublich vielseitig und reicht von Gipsskulptur, zu Holzobjekt, von Gemälde und Fotografie bis hinüber zu toten Kadavern, gespickt mit alten Jogginhosen. Ich persönlich kann mich tatsächlich nicht mit dieser "Kunst" anfreunden, sie ist mir zu offen, zu schräg, zu plakativ. Genauso wenig mag ich jedoch realistische Gemälde aus der Klassik, sie wirken zu real und zu wahrheitsgetreu. Vielmehr erfreue ich mich gerne an der Ausdrucksstärke der Künstler. Wenn sie ihren Gefühlen und ihren Händen (oder Füssen) freien Lauf lassen.

Kunst ist etwas grossartiges und etwas mysteriöses ohnehin. Obwohl so einige Menschen sie verachten, gehört sie meines Erachtens genauso zur Gesellschaft, wie Bildung, Wirtschaft & Politik. Als wichtiger Bestandteil des Volkes, repräsentiert sie zu einem grossen Teil, die Gefühle, die Werte, das tiefere Innere der Menschen. Und das finde ich grossartig.

Kadaver eher weniger.

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