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Generation Beziehungsunfähig will Sex mit 16

Während sich die einen mit 25 Jahren als ewige Singles bereits um die Zukunft sorgen und andere mit 18 Jahren, seit vier Jahren verliebt, ihren Eltern die eigenen Hochzeitspläne eröffnen, schlägt sich meine Mutter die Hand an die Stirn und fragt sich ,wie verrückt die Welt in Sachen Beziehung geworden ist. Was heute als zurückgeblieben gilt, war früher die reine norm oder halt einfach ein Ding, dass die einen taten, die anderen eben nicht. Einige heirateten früh. Andere genossen ihre 20er ohne feste Beziehung und jegliche damit aufgetragene Verantwortung in vollen Zügen. Verpasst haben auch diese Jugendlichen keinesfalls. Im Sinne der heute trendigen Polyamorie erhielt vor gut 30 Jahren jeder die Chance eigene Erfahrungen zu sammeln. Heute dreht sich alles um feste Beziehungen. Eine anständige

Familie, zwei Kinder am besten ein Junge, ein Mädchen. Dazwischen quetscht man eine protzige Hochzeit, Karriere und gelegentlich eine Halbe Weltreise. Und mit 30, völlig ausgebrannt, trennen sich dann die Wege der beiden vermeintlich so glücklich Verheirateten, weil die Liebe mit 18 Jahren doch nicht die richtige

war. Ausserdem konnte sich keiner der beiden so wirklich entwickeln, schliesslich flogen Mann und Frau vom behüteten Heim bei Mama und Papa direkt in

eine gemeinsame Behausung.

Die Jugend von heute unterwirft sich dem gesellschaftlichen Druck mit 16 Jahren entjungfert zu werden. Im besten Fall aber sicher die Erfahrung

eines Zungenkusses, so richtige feucht und geschmeidig, gemacht zu haben. Mit 18 Jahren haben wir alle zwei Beziehungen von je 6-10 Monaten hinter uns und sind

bereit für die wahre Liebe. Ich habe das Gefühl, dass wir in unserer auf Druck basierten Generation vergessen haben, was Erfahrung tatsächlich bedeutet und dass wir mit 20 Jahren bestimmt nicht zu den Omas und Opis der Welt gehören. Schenke einen kurzen Augenblick deiner Aufmerksamkeit deiner Grossmutter, die zufrieden in ihrem Sessel sitzt. Oder deinem Grossvater, der am Tisch steht und gerade den Rauch der Pfeife ausbläst. Ihre zerfallenen Hände zeichnen sie und das Alter

ist ihnen auf eine wunderschöne ästhetische Art und Weise anzusehen. Aber du bist und bleibst in diesem Moment ein Küken, jung und unerfahren. Was auch

deine Grosseltern (und hierbei spreche ich aus Erfahrung), bestätigen würde. Die Liebe ist etwas Wunderbares. Sei sie auch bloss im kleinsten Ausmass.

 

Liebe bereichert in allen Lebensbereichen und schenkt zwei oder mehr Menschen unglaublich viel. Gleichzeitig setzt sie gewisse Voraussetzungen und verlangt allen beteiligten einiges ab. Aufmerksamkeit. Eine gewisse Abhängigkeit. Zuverlässigkeit. Vertrauen. Punkte, die im richtigen Moment gerne getragen werden, aber bestimmt auch junge Menschen vom eigenen Wachsen aufhalten können. Natürlich trifft dies keinesfalls auf jedes junge Paar zu, aber ich bin seit geraumer Zeit der Meinung, dass jeder Zeit für sich und seine Leidenschaften beanspruchen sollte. Zeit, fernab vom gesellschaftlichen Druck. Egoistische Zeit eigene Ziele zu erreichen oder fürs erste sich selbst zu entdecken. Wir aus der Generation Beziehungsunfähig schwingt sich vom einen Typ zum nächsten. Von der einen heissen Braut zur nächsten, während das Leben vorbeirauscht und uns keine Möglichkeit gibt auf den Zug der Leidenschaft aufzuspringen. Das Leben ist weit mehr als Sex mit 16 und Knutschen mit 14. Es ist das Tüpfchen auf dem i. Die Kirsche auf der Schlagsahne und darf bestimmt nicht fehlen. Trotzdem wünschte ich mir manchmal, dass wir uns ohne Druck verlieben, dass es genau dann geschieht, wenn es geschehen soll. Dass wir manchmal uns selbst an erste Stelle setzten, und uns Ding durchziehen, alleine oder in Partnerschaft. 

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