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Ein etwas zynischer Beitrag zur alltäglichen Scheisse

Du und ich. Uns geht es gut. Prächtig nicht war. Oder bist du erkältet? Dann tut es mir leid. Scheisse ja, aber das geht vorbei. So wie auch deine Kopfschmerzen vorbeigehen werden und das Fieber, das dich letztens quälte.

 

Wie mühsam es war, stundenlang zu liegen, den ganzen Tag, bloss weil diese Scheissgrippe dich jetzt auch erwischt hat. Ausgerechnet dich. Als wenn es nicht schon genug wäre, dass du letztens dein Fussgelenk so stark verknackst hast, dass ein Stückchen des Knochens abgesplittert ist. Das schwirrt jetzt in deinem Fuss herum. Scheisse. Davor musstest du jedoch einige Wochen mit Schiene und Krücken durch die Strassen humpeln. Ja wirklich Scheisse war das. Na immerhin musst du bei der Arbeit nicht stehen, immerhin kannst du täglich 8 Stunden sitzen. Immerhin etwas Gutes daran hat es. Den Job hasst du ja eigentlich. Büroarbeit. Seit fünf Jahren. Fünf scheiss lange Jahre und noch immer, hat dir dein wöchentliches Los nicht zum wohlverdienten Millionengewinn verholfen. Welch ein Jammer. Tja und nun sitzt du da und eigentlich geht es dir beschissen. Wäre da nicht der monatliche Verdienst, der dir jeweils am 25. des Monats ausgezahlt wird. Eine hübsche Summe, das muss man dir lassen. Und zu Hause kannst du es dir alleine in vier Zimmern gemütlich machen, die Küche ist geräumig, im Bad steht sogar eine Abwaschmaschine. Und die Miete? Kein Ding. Wäre da nicht der wüste Garten vor dem Haus, es wäre so eine schöne Umgebung. Und ja die Kinder, die bereits um Morgen um halb sieben wie

wild durch die obere Wohnung springen, scheisse laut ist das jeweils. Würde man von den Kindern, deinem Scheiss Job und deiner schlechten Gesundheit absehen könnte man glatt meinen dein Leben ist doch eigentlich gar nicht so mies. Ganz gut könnte man meinen, aber das scheint nur so, die Fassade zeigt etwas anderes, als die konkrete Wand dahinter. Ja klar, scheisse ist alles.

 

Es könnte doch sein, dass du dir irgendwann einen anderen Job suchst. Einen der dir gefällt, an denen deine "wahren Fähigkeiten" voll und ganz geschätzt werden und ein Job der dich richtig glücklich und zufrieden macht. Kann ja sein. Oder vielleicht lässt du in Zukunft das harte feiern bis morgens um 5 bleiben und verzichtest auf die nachfolgenden Katerschmerzen. Dein Freund kann ja eigentlich ganz gut gärtnern, er hat das glaube ich sogar gelernt. Aber warum sich bemühen, wenn beschweren um einiges leichter geht. Warum die Dinge ändern, wenn man danach keine Aufmerksamkeit mehr erhält. Das ewige murren und meckern ist ohnehin eine Fähigkeit, die gelernt sein muss. Und täglich repetiert und immer wieder aufs Neue erledigt. Jeden Tag. So erscheint mir tatsächlich der Alltag der Menschen, deren Leben doch so scheisse ist, dass sie das gute darin mit noch mehr scheisse bedecken, dass sie es am Ende kein bisschen mehr erkennen. Ja so irre übel ist ihr Leben, dass das Jammern zur Routine wird und die geliebten alsbald nur noch verständnisvoll mit dem Kopf nicken, es sie aber reichlich wenig interessiert. Und

so werden sie weiter in die Scheisse geritten und machen sich auf zu einem Psychologen, der versucht das gute hervorzubringen, mit mehr selbstverständlicherem Nicken, aber ebenfalls eher desinteressiert, weil er weiss, dass diese Misere nicht wirklich nennenswert ist. Wir leben in einer so grossartigen Welt, dass bereits das

kleinste Missgeschick als ach so schrecklich wahrgenommen wird. Winzigkleine Nichtigkeiten, die dir die Welt bedeuten, von aussen so nichtig sind, bedeuten

dir die Welt. Und andere weitaus wichtige Sachen, sind so unbestimmt, so unnütz aus deiner Sicht, denn so egoistisch wie der Mensch ist wohl kein anderes

Lebewesen dieser Erde. Im Selbstmitleid zerfliessen wir im Sekundentakt und erwarten von unserer gut gewählten Umgebung das gleiche. Ja, das Leben kann verdamm scheisse sein und leiden ist bestimmt erlaubt aber für dass das wir uns in Wohlstand, Geld und grossen Wohnungen suhlen, brauchen wir echt nicht zu jammern.

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