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Das Arbeitstier


Sie sitzen da. Wie Tiere über ihrer Beute. Ein zwei Griffe, nächstes Blatt. Immer weiter. Fast 8 Stund und 36 in gebeugter Haltung.

Es tippt es klickt. Ansonsten… ist es ruhig.

Stille.

Selbst eine zu Boden fallende Nadel würde die Meute aufschrecken lassen. Ein Blick aus dem Fenster. Die Sonne scheint. Menschen ziehen vorbei. Autos rasen von A nach B und wir - wir sind ruhig und arbeiten.

Gekrümmt.

Ich seh schon in knapp 50 Jahren, wenn die Arbeit ihre Spuren hinterlässt. Und trotz, oder gerade wegen der Lebendigkeit draussen, ist die Stille hier drin zum Töten. In Gedanken starre ich auf die Buchstaben der Tastatur und drücke sie gekonnt runter. Eins zwei drei. Im Eiltempo, damit es nur rasch vorbeigeht. Vorbei. Einfach bloss vorbei. 8 Stund und 36. Beziehungsweise, etwas länger. Der gute Arbeiter scheut keine Überzeit. Bedacht darauf nicht aufzufallen nehm ich Blatt um Blatt. Akte um Akte zur Hand. Betrachte sie. Tippe ab. Lege sie zur Seite und verpacke sie bald darauf. 8 Stund und 36.

Mein Kopf scheint zu schrumpfen, in sich zusammenzufallen.

Müde blick ich schwarz weiss auf den Bildschirm, das Hirn zur Hälfte verschrumpelt. Man sagt, das Kreative lässt das Gehirn wachsen, Routine lässt

es verkümmern. Meines scheint der Verkümmerung nahe.

 

Gefreut hab ich mich. So gefreut, auf die Tage hier. Auf die Arbeit. Auf die schnell vorbeiziehenden 8 Stund und 36. So schlimm kann es nicht sein. So schlimm wird es nicht sein. Und die Leute sind doch nett. Sie mögen dich, ein paar jedenfalls. Sie schätzen dich, einige davon. Doch was nütz dies, wenn man doch grösstenteils bloss dasitzt und den Bildschirm anstarrt. Während draussen Kinder schreien, Eltern sie vor Autos retten. Während zwei Liebende sich küssend umschlingen, und ein Pärchen soeben zerstritten auseinander geht. Hier drinnen scheint die Zeit zu stehen, kaum merklich bewegt sich der Zeiger nach rechts.

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